Der Reitsport wurde zum Volkssport

Bei der Gründung des Vereins bestand das Pferdematerial der Reiter fast ausnahmslos aus Kaltblütern.
Das waren schwere Arbeitspferde, die in der Land- und Forstwirtschaft sowie bei den Gemüsebauern
ihren Hafer verdienten. Der Reitsport war mit diesem Pferdetyp nur beschränkt möglich. Die Pferde hat-
ten ein Gewicht bis zu 20 Zentner (Hengste waren meistens noch schwerer) und waren für schwere Ar-
beiten bestens geeignet. Geritten wurde nur sonntags, weil dann die Feldarbeit ruhte. Aufgabe des Rei-
tervereins war es, die Reiter im Umgang mit den Pferden zu schulen. Des weiteren wurden Pünktlichkeit
und Disziplin groß geschrieben. Die Reiter wirkten bei Festlichkeiten und Jubiläen mit. Weil das Warm-
blutpferd die Ausnahme bildete, waren damals Pferdesportveranstaltungen in der Größenordnung, wie
wir sie heute kennen, nicht denkbar.

1933

Während des Zweiten Weltkrieges kam das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Auch die ersten Jahre
nach dem Krieg, als Deutschland aus Schutt und Asche wieder aufgebaut werden musste, waren sehr
schwer. Nach Alliiertenbeschluss waren nach dem Krieg alle Vereine aufgelöst worden, so dass eine
Neugründung des Vereins notwendig wurde. Die Bereitschaft zur Fortführung des Vereins war da - trotz
größter Schwierigkeiten. Durch die Kriegswirren und die Besetzung waren Trensen und Sättel verloren
gegangen oder unbrauchbar geworden. Die Wiederbeschaffung war äußerst schwierig. Dennoch stieg
langsam die Mitgliederzahl, und das Vereinsleben florierte wieder.

Doch die Mitgliederzahl der Aktiven war alles andere als hoffnungsvoll. Durch die unaufhaltsame Motori-
sierung wurden die Arbeitspferde verdrängt. Ab 1955 konnte sich das Warmblutpferd allmählich durch-
setzen. Es wurde nur für leichte Feldarbeiten genutzt. Somit konnte der Reitsport intensiv betrieben
werden.

Galopprennen 1948Bereits 1947 fand auf den Weiden von Lambert Heffels das
erste Turnier nach dem Kriege statt. Etwa 100 Pferde gingen                     
an die verschiedenen Starts. Auch unsere Reiter konnten
beachtliche Erfolge verbuchen. Im Verein war wieder Leben.

Es wurden wieder Mairitte, Geländeritte, Turniere und
Fuchsjagden veranstaltet. Der Verein wurde von benachbarten
Vereinen eingeladen. Sogar Landesturniere wurden erfolgreich
besucht.

Diesem Höhenflug des Vereins folgte 1970 ein Tiefpunkt: Die meisten Reiter gründeten Familien und
standen nicht mehr zur Verfügung. Eine Handvoll Großpferde und einige Ponys, von Hobbyreitern geritten,
waren noch vorhanden. Der Verein bemühte sich um alle Pferdebesitzer im Großraum Straelen. Sie wurden
zu einer Informationsversammlung eingeladen. Dreißig Neuanmeldungen waren der Lohn. Dennoch aktivierte
sich das Vereinsleben erst spürbar ab 1975. Unser Turnier- und Übungsgelände platzte bereits 1978 aus allen
Nähten. Reiter und Pferdebesitzer aus allen sozialen Schichten wurden Mitglieder des Vereins. Die Übungs-
stunden mussten mehrmals unterteilt und auf drei Ausbilder aufgeteilt werden. Der Fleiß der Reiter und die
gute Schulung der Ausbilder trugen Früchte: Auf allen Turnieren konnten Straelener Reiter Siege und gute
Platzierungen erringen.

Anfang 1980 hatte der Verein seinen höchsten Mitgliederstand seit seinem Bestehen. Die Begeisterung der
Reiter über die Fertigstellung der neuen Reithalle ist verständlich. Erstmals ist jetzt ein witterungsunabhän-
giges ganzjähriges Training möglich.